Informationen zum Kiesabbau

Gutachten des Bundes Naturschutz zum Raumordnungsverfahren Planegger Holz (Dickwiese)

Zwei der Stellungnahmen im Zusammenhang mit dem ROV sind für uns zugänglich und dürfen veröffentlicht werden. Beide sind vom Bund Naturschutz.

Beide Gutachter haben sich den Wald persönlich angeschaut. Klingt selbstverständlich, ist es aber leider nicht.

Hier die Stellungnahme des Gutachters des Bundes Naturschutz Kreisgruppe München, Dr. Rudolf Nützel:
BN-Kreisgruppe-Muenchen-Nuetzel_ROV-Dickwiese-end

Hier die Stellungnahme des Bundes Naturschutz Germering:
Stellungnahme-BundNaturschutz_Stadtrat-Germering_02-07-2019_STA02072019TOP6oeff_Ablehnend

Vortrag: Historie und Zukunft Kiesabbau

Den Vortrag von Dr. Herbert Stepp vom Grünzug-Netzwerk Würmtal e.V. zum Sachstand und den planerischen und rechtlichen Hintergründen bei der Veranstaltung am 17.07.2019 im Kupferhaus finden Sie als pdf-Datei hier.

Zusammenfassung: Was ist geplant?

Von Dr. Herbert Stepp, Grünzug-Netzwerk

Die Kiesgruben fressen sich immer weiter Richtung Forsthaus Kasten durch den Wald, zeigt der Regionalplan.

  • 42 ha (ca. 59 Fußballfelder) sind im Forst Kasten jetzt vorgesehen. Doch damit nicht genug!
  • Mitten zwischen Wohngebiet und Gewerbegebiet mit Abständen deutlich unter 100 m wird bereits bei Martinsried ausgekiest (5,8 ha),
  • die Genehmigung für weitere 2,8 ha neben der Kompostieranlage konnte nicht verweigert werden und
  • jetzt hat die Firma Glück ein Raumordnungsverfahren (ROV) beantragt, um den bisher unberührten Wald zwischen Planegg-West und Autobahn 96 zur Kiesgrube umzuwandeln (Lageplan unten). Hier geht es um 24 ha – und das ist vermutlich erst der Anfang.
So sieht es derzeit im Forst Kasten aus – und es soll noch viel schlimmer werden.

In einem Lageplan, der zu einer Antwort der Bayerischen Staatsregierung auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Christian Hierneis vom 30. April 2019 gehört, sieht man die bisher ausgebeuteten sowie die genehmigten Flächen in Forst Kasten.  Östlich und südlich davon könnte es bald weitergehen.

‚Aber Kies brauchen wir doch, wegen der Wohnungsnot!‘, sagen Politiker, Bau-Lobbyisten und Immobilienvermarkter. Solange da kein Haus- oder Sondermüll wie früher eingefüllt wird und nachher ein Wald mit angeblich besserer Qualität aufgeforstet wird und enge Verfüllfristen gelten, was soll man dagegen haben? Richtig, Kies wird gebraucht, die Frage ist nur, wieviel und woher.

Die Würmtaler Initiativen gegen Kiesabbau (BIS, BIK, BIN, BIKG) mussten hart erkämpfen, dass die Gruben nicht als Nachfolgedeponie für Großlappen genutzt werden (in den 1990ern), die Asbestablagerungen verboten werden (bis in die 2000er), und Industrialisierung auf den Flächen eingeschränkt wird (Bauschuttaufbereitung).

Die jetzige Grube im Forst Kasten hätte schon 2002 verfüllt sein müssen. Diese Auflage wurde immer wieder verlängert und schließlich ganz aufgehoben. Das liegt u.a. an rückläufiger Menge verfügbaren Verfüllmaterials. Aber was sind solche Auflagen dann wert?

Wir befinden uns in einem als Naherholungsgebiet intensiv frequentierten Wald, der zudem als Bannwald, Regionaler Grünzug und Landschaftsschutzgebiet gleich dreifachen regionalplanerischen Schutzstatus genießt. Wenn der Kiesabbau hier nicht schon lange „Tradition“ hätte, käme wohl niemand auf die Idee, ausgerechnet hier den Wald abzuholzen, um Kies auszubeuten.

Dies ist auch im Regionalplan klipp und klar so geregelt: In Kap IV der Begründung heißt es, dass in unserer Region leider kein Kiesabbau möglich ist, weil (Seite 33): „…auf den abbauwürdigen Lagerstätten südlich der Linie Landsberg am Lech – München – Dorfen andere, meist forstliche, wasserwirtschaftliche oder landschaftliche Belange bereits großflächig geschützt oder vorrangig sind.“

Weil der Kies aber in guter Qualität im Boden liegt, könnte er vielleicht doch auch hier abgebaut werden, heißt es dort weiter, ABER das „…setzt jedoch voraus, dass Abbau- und Rekultivierungsmethoden erprobt und anerkannt werden, die es ermöglichen, den Rohstoffabbau mit den hier berührten Schutzzwecken zu vereinbaren.“

Haben wir das? Wir meinen ganz eindeutig: NEIN.

Die wenigen bestehenden Auflagen sind weitgehend wertlos (siehe Aufhebung der Verfüllfrist) und sowieso nicht ausreichend, um der Forderung des Regionalplans gerecht werden zu können.

So macht man dreimal gutes Geld: mit Abholzen, Auskiesen und Bauschutt einfüllen.  Da bleibt durchaus genug übrig, um ein paar Baumsetzlinge einzupflanzen und einen Weiher anzulegen. Aber mit dauerhafter Bekämpfung von Neophyten wie dem giftigen Riesenbärenklau sieht es schon wieder schlechter aus, das überlässt man dem Grundeigentümer – der es nicht macht. Der Kiesabbau würde sich ganz schnell nicht mehr rechnen, wenn die Wiederaufforstung viel aufwändiger wäre als auf freiem Feld.

Immerhin setzt die Firma Glück zum Abtransport des Kieses ein Förderband ein und keine LKW. Allerdings wird dies wohl für die Fortsetzung des Kiesabbaus im Würmtal nicht mehr zum Einsatz kommen.

Womit massiver LKW-Verkehr droht:

Nach dem Antrag von Glück zum ROV Planegger Holz (Dickwiese):

82 LKW pro Tag

Laut Berechnung BUND Naturschutz:

352 LKW pro Tag

auf der Germeringer Straße, alle 1 Minute 42 Sekunden ein LKW bei einem 10-Stunden Betrieb !

Und Gleiches droht in Neuried, weil der Grundbesitzer (die Heilig-Geist-Stiftung der Stadt München) nicht die Fa. Glück zum Zuge kommen lassen will, um die Vorrangflächen im Forst Kasten weiter auszubeuten. Hier steht noch ein Rechtsstreit von Glück um die Ausbeutungsrechte wegen der von der Stadt München veranlassten europaweiten Ausschreibung des Abbaus an.

Und der Naturschutz? Schon zur letzten Regionalplan-Fortschreibung hat das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten AELF als Träger öffentlicher Belange eine klare negative Stellungnahme abgegeben.

Ebenso die betroffenen Gemeinden. Es konnte aber nur erreicht werden, dass die Fläche der Neuausweisung des Vorranggebiets um ca. 23 ha auf eben jetzt 42 ha reduziert wurde. Was auch nur bedeutet, dass das halt bei der nächsten Fortschreibung nachgelegt wird!

WIR MEINEN: Jetzt ist

SCHLUSS MIT KIESABBAU IM WÜRMTAL !

Weitere Gründe gegen einen Kiesabbau auf der Dickwiese/Planegger Holz:

  • Auf der anderen Straßenseite erhielt kürzlich der Maria-Eich-Wald mit seinen Methusalem-Eichen, die von seltenen Eremiten-Käfern besiedelt werden, eine UN-Auszeichnung.
  • Mangels geeigneten Verfüllmaterials wird es wieder zu einer Verletzung von Verfüllfristen kommen.
  • Das Landratsamt hat Auflagen zu Verfüllfrist bisher immer im Sinne des Abbauunternehmens verlängert.
  • Wegen stark verbesserter Bauschuttaufbereitung nimmt der Frischkies-Anteil kontinuierlich ab.
  • Immer mehr Kies wird nur wegen verstärkter Bautätigkeit gebraucht. Wir wollen aber gar keinen Beitrag zu einer immer weiteren Verdichtung von München und der Verstädterung der „Metropolregion“ leisten!

Was FÜR einen Kiesabbau sprechen soll hat die Firma Glück in folgendem Leserbrief selbst formuliert (Kommentare von Herbert Stepp) (durch gleichzeitiges Drücken der Tasten Strg und + können Sie den Text vergrößern):

Und hier nun der Lageplan für die beantragte landesplanerische Beurteilung Dickwiese/Planegger Holz: